Stephan Dettling
„Mein Kopf würde platzen, wenn ich diese Geschichten nicht aufschreibe“
Heute stellen wir euch Stephan Dettling vor – ein echtes Schweizer Multitalent, das den Weg zum Schreiben über Umwege gefunden hat.
Vom Banker und Software-Unternehmer bis hin zum TV-Moderator hat Stephan schon viele Rollen gespielt, doch sein „Künstlernaturell“ begleitete ihn bereits seit seinem zehnten Lebensjahr, als er sein erstes Märchen verfasste.
Jetzt tauscht er das Rampenlicht gegen die Krimi-Kulisse von Zug ein. In seinem preisgekrönten Werk „Teufelskreis“ schickt er den herrlich sarkastischen Kommissar Fritz Hugo Kunz auf Verbrecherjagd – ein Debüt voller schwarzem Humor und authentischem Polizeialltag.
Wir haben mit Stephan über seinen Ausbruch aus der Bankenwelt, das „Kopfkino“ beim Schreiben und das Geheimnis hinter seinen schlagfertigen Dialogen gesprochen.
kontrabande: Stephan, dein Weg zum Autor war alles andere als geradlinig. Vom Banker über den Software-Unternehmer bis hin zum TV-Moderator – eine ganze Menge, oder? Und wie passt das alles zusammen?
Stephan: Im Grunde musste ich mein „Künstlernaturell“ lange Zeit ein wenig verstecken. Mit 24 war ich Assistent eines Filialleiters bei einer Bank, war erfolgreich, hatte aber rückblickend – wie ich heute sage – wohl einen totalen „Kopfschuss“. Ich musste jeden Tag den angepassten Banker nur spielen.
Meine wahre Leidenschaft, das Schreiben, begann schon mit zehn Jahren, als ich mein erstes illustriertes Märchen, den „Mäusekönig“, verfasste. Später, beim Fernsehen oder dann auf der Bühne, konnte ich diese Kreativität endlich ausleben.
All diese Stationen waren wichtig, aber jetzt ist die Zeit für die Geschichten gekommen, die sich über Jahre in mir angesammelt haben.
kb: In deinem Krimi „Teufelskreis“ steht der Zuger Polizist Fritz Hugo Kunz im Zentrum. Er ist kein einfacher Typ – ironisch, sarkastisch und eigenwillig. Wie viel Stephan Dettling steckt in Kunz?
Stephan: Besonders sein Humor verbindet uns. Ich musste beim Korrekturlesen oft selbst über seine Sprüche lachen! Aber es gibt auch ernsthafte Gemeinsamkeiten: Kunz ist ein Frauenförderer und ist überzeugt, dass mehr Frauen in Führungspositionen gehören.
Da bin ich absolut seiner Meinung. Er ist ein Charakter, der Ecken und Kanten hat, genau wie das echte Leben.
kb: Du hast dich im Jahr 2000 gegen 15.000 Mitbewerber:innen bei einem Casting durchgesetzt. Hilft dir diese Erfahrung beim „Kopfkino“, von dem du oft sprichst?
Stephan: Absolut. Das Casting und die Zeit auf der Bühne haben mir gezeigt, wie man ein Publikum fesselt.
Wenn ich heute schreibe, tauche ich komplett in diese Welten ein. In meinem Kopf sind so viele Geschichten, dass er fast zu platzen droht, wenn ich sie nicht zu Papier bringe.
Das Schreiben ist für mich die Freiheit, dieses Kopfkino endlich für andere sichtbar zu machen.
kb: Auffallend ist dein präziser Stil. Wie hart arbeitest du an den Dialogen, damit der sarkastische Ton von Kunz so authentisch wirkt?
Stephan: Das
ist ein intensiver Prozess. Ich schleife die Texte immer wieder, bis
das Tempo stimmt. Mir ist wichtig, dass die Leserschaft Freude haben
und in die Geschichte hineingezogen werden. Authentizität steht an
erster Stelle – deshalb spielt der Krimi auch in Zug. Ich kenne die
Gegend, und als internationaler Finanzplatz bietet Zug die perfekte
Kulisse für die Abgründe, die ich beschreibe.
kb: Du bist gerade mal 63 und schreibst momentan an der Fortsetzung. Was dürfen wir von Kunz als Nächstes erwarten?
Stephan: Das bewährte Personal bleibt erhalten, aber ich möchte Kunz als Privatmann noch mehr Raum geben. Ich finde, das hat er sich durch den ersten Band verdient.
Es wird definitiv wieder viel schwarzen Humor geben – das gehört bei mir einfach dazu. Ich schreibe nach Lust und Laune, oft ohne festen Plan, und lasse mich überraschen, wohin meine Finger mich auf der Tastatur führen.
kb: Zum Abschluss: Was ist das schönste Kompliment, das ein Leser/eine Leserin dir machen kann?
Stephan: Wenn jemand sagt, dass er/sie durch mein Buch den Alltag vergessen konnte und beim Lesen echtes Kopfkino erlebt hat. Denn genau dafür schreibe ich: um Freude zu bereiten.
kb: Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke in dein Buchprojekt. Wir sind gespannt auf deine zukünftigen literarischen Arbeiten.
Stephan Dettlings Buch findet ihr bei der Buchhandlung eures Vertrauens oder überall online.
| Titel | Teufelskreis | |
| ISBN | 978-3384420121 | |
| Seiten | 247 | |
| Preis | 24,90 € |
