Florian Kelling

Florian Kelling

Florian Kelling

Heute wollen wir einen Blick in die Segelwelt werfen. Florian von „Gleichkurs“ ist heute bei uns zu Gast.

kontrabande: Moin Flo, wie isses so?

Florian Kelling: Moin! Gut ist es. Ich komme gerade vom Wasser – das sortiert den Kopf immer zuverlässig. Ein bisschen Wind, klare Luft, das hilft beim Denken. Und es erinnert mich jedes Mal daran, warum ich das alles mache.

Florian Kelling, Jahrgang 1973, geboren in Hamburg, Vater einer 16-jährigen Tochter und eines 19-jährigen Sohnes, ist seit seinem achten Lebensjahr vom Wasser geprägt. Segeln ist für ihn kein Hobby, sondern Lebensform. Mit „Gleichkurs“ hat er eine Initiative gegründet, die den Bordalltag neu denken will: partnerschaftlich, kompetenzorientiert und sicher.


kb: Was ist eigentlich „Gleichkurs“ – und warum dieser Name?

Flo: „Gleichkurs“ ist ein Begriff aus der Seefahrt. Er beschreibt zwei Schiffe, die denselben Kurs laufen. Für mich ist das ein Bild für Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Niemand zieht voraus, niemand bleibt zurück.
An Bord bedeutet das: kein hierarchisches Gefälle aus Gewohnheit, keine automatisch verteilten Rollen. Sondern ein Team, das gemeinsam entscheidet, gemeinsam lernt und gemeinsam Verantwortung trägt. Dieser Gedanke reicht für mich weit über das Boot hinaus.

kb: Du bist in Hamburg geboren und seit deiner Kindheit auf dem Wasser. Wie hat dich das geprägt?

Flo: Ich war acht Jahre alt, als ich das erste Mal bewusst am Ruder stand. Seitdem hat mich das Wasser nicht mehr losgelassen. Wer am Meer groß wird, lernt früh, dass Wind und Wetter keine Diskussion führen. Man muss vorbereitet sein, aufmerksam sein, als Crew funktionieren.
Diese Erfahrung begleitet mich bis heute. Segeln ist für mich Konzentration, Vertrauen und Teamarbeit. Und genau dort habe ich auch gesehen, wo es noch hakt.

kb: Was war der Moment, in dem du gesagt hast: „Ich gründe Gleichkurs“?

Flo: Es gab keinen einzelnen Knallmoment, eher eine Reihe von Beobachtungen. Ich habe über Jahre Situationen erlebt, in denen alte Rollenbilder völlig selbstverständlich übernommen wurden: Der Mann steuert, die Frau reicht Leinen oder „hilft mit“.
Das ist nicht nur eine Frage der Fairness. Es verschenkt Potenzial und kann im Ernstfall riskant sein. Wenn Wissen und Verantwortung einseitig verteilt sind, entsteht Abhängigkeit.
Der letzte Impuls kam auf der Boot in Düsseldorf. Zwischen all den Innovationen wurde mir klar: Technisch entwickelt sich alles weiter – aber im Miteinander oft nicht. Da habe ich entschieden, das Thema aktiv anzugehen.


kb: Geht es dir bei „Gleichkurs“ nur um Frauen an Bord?

Flo: Nein. Es geht um Gleichberechtigung im eigentlichen Sinn. Jede Person an Bord soll ernst genommen werden, lernen dürfen, Fehler machen dürfen, Verantwortung übernehmen können.
Wenn alle Kompetenzen aufbauen, steigt die Sicherheit. Gleichzeitig wächst das Selbstvertrauen. Das betrifft Frauen wie Männer gleichermaßen. Es geht nicht um Sonderwege, sondern um gleiche Teilhabe.

kb: Du sprichst oft von Wissen. Warum ist das für dich so zentral?

Flo: Wissen schafft Freiheit. Wer versteht, wie ein Manöver funktioniert, wie Technik arbeitet oder wie Entscheidungen zustande kommen, ist nicht abhängig.
Im Notfall kann jede Person handeln. Das kann entscheidend sein. Ein Boot ist kein Ort für Zuschauer. Sicherheit entsteht durch geteilte Kompetenz.

kb: Was möchtest du mit „Gleichkurs“ konkret verändern?

Flo: Ich möchte, dass alte Automatismen hinterfragt werden. Weg von „Das haben wir immer so gemacht“, hin zu bewusster Teamarbeit.
Konkret bedeutet das: Lernräume schaffen, in denen Frauen und Männer gleichberechtigt Manöver üben, Navigation verstehen, Entscheidungen treffen. Wenn das an Bord selbstverständlich wird, wirkt es in den Alltag hinein.


kb: Welche Rolle spielt Sicherheit in deinem Konzept?

Flo: Eine zentrale. Ein Schiff ist am sichersten, wenn die gesamte Crew handlungsfähig ist.
Das beginnt beim Ablegen, setzt sich bei jedem Manöver fort und endet nicht mit dem Festmachen. Wenn alle wissen, was sie tun, laufen Abläufe ruhiger und präziser. Danach kann man sich ansehen und sagen: Wir haben das gemeinsam gut gemacht.
Sicherheit stärkt Vertrauen. Vertrauen stärkt das Team. Und ein gutes Team segelt sicherer.

kb: Du bist Vater von zwei Kindern. Beeinflusst das deine Haltung?

Flo: Ja. Ich möchte, dass meine Tochter und mein Sohn selbstverständlich erleben, dass Verantwortung nichts mit Geschlecht zu tun hat.
An Bord wird das sehr sichtbar. Wer hier Gleichberechtigung lebt, sendet ein klares Signal. Für mich ist das auch eine Frage von Vorbild und Haltung.

kb: Was ist deine Vision für die Zukunft?

Flo: Ich wünsche mir, dass Gleichberechtigung an Bord kein Thema mehr sein muss, weil sie selbstverständlich ist. Dass niemand mehr alte Rollen kopiert, sondern Teamarbeit lebt.
Segeln kann ein intensives gemeinschaftliches Erlebnis sein. Jede Stimme zählt. Dafür braucht es keine großen Programme, sondern Bereitschaft, Sensibilität und den Willen, zuzuhören.

kb: Dein Fazit in einem Satz?

Flo: Gleichkurs heißt: gemeinsam steuern, gemeinsam lernen, gemeinsam sicher ankommen – und die Zeit auf dem Wasser bewusst miteinander genießen.

kb: Klingt gut. Da drücken wir die Daumen, dass deine Idee ein Erfolg wird.

Wer über Flo und sein Projekt erfahren will, schreibt ihn unter info@wind-und-wasser-hamburg.de an oder ruft ihn einfach direkt unter 0162 532 34 87 an.
Für alle Facebook-User: hier gibt es weitere Infos

Florian Kelling
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Gleichkurs

Technisch entwickelt sich alles weiter – aber im Miteinander oft nicht. Da habe ich entschieden, das Thema aktiv anzugehen.