This is the German edition of Nirgendwann.
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Nirgendwann

Mac Conin

Plan B war auch Mist …

Jo steht vor dem Nichts: kein Geld, kein Job, bald keine Wohnung. Als ihr Chef zu weit geht, zieht sie die Reißleine – doch der Preis ist hoch. In einer Stadt, die keine Rücksicht nimmt.

Sie kämpft sich mit Trotz, trockenem Humor und der Hilfe eines alten Mannes durch die täglichen Zumutungen des Großstadtlebens.

Zwischen Grapschern, Schulden und der Hoffnung auf ein anderes Leben stellt sich eine Frage: Wie tief kann man fallen – und wann beginnt der Weg zurück?

Kein Liebesroman, aber über Selbstachtung, klare Ansagen und den Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Ich war selbst einigermaßen erstaunt darüber, dass mein unbestechlicher Bewertungsalgorithmus ziemlich klare vier von fünf möglichen Sternen ausgespuckt hat. Aber auch gefühlsmäßig kann ich dieses Ergebnis durchaus vertreten.


Leseprobe 1

„Du tropfst in mein Schlafzimmer.“

Er steht da, wie ein ertappter Schuljunge. Schultern hängen runter, Hände schützend vor seinem jetzt winzigen Pimmelchen.

Pitschnass steht er im Türrahmen zwischen Schlafzimmer und Bad. Wasser läuft von seinen Haarspitzen, kleine Tropfen sammeln sich auf dem Boden. Nicht gerade das Bild, das man sich am Morgen wünscht. Vor allem nicht nach einer Nacht wie der letzten.

„Soll ich nicht noch mal zu dir kommen? Oder vielleicht Frühstück holen?“ Seine Stimme klingt fast hoffnungsvoll, als würde er glauben, dass diese Nacht irgendwas bedeutet. Etwas Tieferes. Aber sein Anblick sagt mir das Gegenteil. Mein Schädel brummt, mir ist gerade nicht nach Sex. Ganz im Gegenteil.

Er hat wohl mehr erwartet. Etwas, das über eine einfache Verabschiedung hinausgeht. Gleich fragt er mich, ob er meine Nummer haben kann. Ich spüre schon, wie sich das unangenehm zusammenbraut. Hoffentlich bricht er nicht in Tränen aus. Jetzt heißt es, hart und konsequent bleiben. Kein Spielraum für Mitleid.

„Nein, du trocknest dich jetzt ab und dann musst du leider gehen“, sage ich so ruhig und bestimmt wie möglich. „Es war nett, aber mehr ist das jetzt nicht. Und Frühstück fällt aus. Ich muss arbeiten.“

Kann ja schlecht sagen, dass der Kühlschrank leer ist, weil ich pleite bin. Und ich will jetzt auch einfach meine Ruhe. Aufhören, bevor es nervt.

Gestern sah er besser aus. Eine dieser Nächte, in denen man sich einredet, dass der Typ ganz passabel aussieht, wenn das Licht richtig fällt und der Alkohol ein bisschen die Sicht trübt. Aber bei Tageslicht? Na ja. Es gibt Dinge, die lieber in der Dunkelheit bleiben sollten.

Ich deute auf den Stapel Handtücher im Bad. „Nimm dir eins, und dann musst du leider gehen.“

Nicht zu streng klingen. Vielleicht tut er mir ein wenig leid – nein, eigentlich nicht. Je schneller der draußen ist, desto besser. Es ist für mich eindeutig vorbei, bevor es überhaupt hätte anfangen können.

„Es ist Sonntag, da musst du arbeiten?“ Er klingt überrascht. Wahrscheinlich hatte er sich einen gemütlichen Morgen vorgestellt. Brunch. Vielleicht mit einer Art erotischem Nachschlag zur Nacht. Brötchen zum Frühstück? Meine? Oh Gott, Spießertum im Anmarsch.

„Ja, stell dir vor, ich muss arbeiten.“ Dieses Mal deutlich gereizter. Ich habe echt keine Lust auf eine Diskussion. Ich will meine Ruhe und so schnell wie möglich wieder allein sein.

Er seufzt tief, schleppt sich ins Badezimmer, als würde die ganze Welt auf seinen Schultern lasten. Aber er schafft es. Ohne auf dem Weg dorthin zu verenden. Ich höre das Waschbecken laufen. Stelle mir vor, wie er sich bedrückt abtrocknet, als hätte ich ihm gerade das Herz gebrochen. Wahrscheinlich hat er sich wirklich Mühe gegeben. Aber das allein reicht nicht. Die Nacht war nicht schlecht, aber nichts in mir will eine Wiederholung. Immerhin war er kein „One-Shot-Wonder“, aber das ist auch schon das Beste, was ich über den Abend sagen kann.

Nach ein paar Minuten kommt er aus dem Badezimmer zurück. Jetzt angezogen in T-Shirt und Jeans. Seine Schultern hängen noch tiefer als vorher. Er lehnt sich linkisch an den Türrahmen, unsicher, was er als Nächstes tun oder sagen soll.

„Ich habe deine Zahnbürste benutzt. Ich hoffe, das war okay.“

War es nicht! Er hat auch mein Handtuch benutzt. MEIN Handtuch. Und sich vermutlich den Arsch und Eier damit abgetrocknet. Mein Handtuch fürs Gesicht! Ich werd nachher die Bude desinfizieren – und ne neue Zahnbürste, definitiv. Aber das muss ich ihm nicht unbedingt sagen. Also: Tschüss und Tür zu.

Fazit ist, dass ich unheimlich dankbar bin, dass ich dieses Buch lesen durfte. Die letzten Seiten dieses Werkes haben mich noch mal zu Tränen gerührt.

Leseprobe 2

Büdchen

Aber wie ist das Zusammenleben in der Großstadt, wie ist das mit dem Wunsch nach Gemeinschaft? Ein Dorf ist die Stadt nicht mehr. Auch keine Dorfgemeinschaft. Hier in Köln leben mehr Singles als Familien, mittlerweile über 50 %. Alle vereinzelt in kleineren oder größeren Wohnungen.

Aber der Wunsch nach Gemeinschaft, dem Viertel, der Hood, ist noch da. Man identifiziert sich über die Ecke, wo man wohnt, wo man einkauft, welche Geschäfte man frequentiert. Südstadt, Ehrenfeld, das bestimmt den Stil. Man will zu etwas gehören, auch wenn man mit den Menschen im Viertel wenig oder gar keinen Kontakt hat. Aber man kommt aus der Südstadt, fast so wie: ‚ich komme aus dem Dorf dahinten.‘

Das wird aber nicht dadurch gelebt, dass man sein Viertel real erlebt. Vieles passiert in digitaler Form im Internet. Ein virtuelles Viertel, fast wie die Gruppen in Facebook, Instagram, Discord, Slack oder oder …

Ich habe früher mehr mitbekommen. Die Kunden kamen rein, es wurde über den Jupp gelästert, was die Luzie wieder gesagt hat, wer alles fremdging, wer nachts schon mal an fremden Türen klopfte. Kurz, was im zwischenmenschlichen so alles passierte.

Da formte sich in meinem Kopf ein Bild einer Umgebung, die durch Personen, Schicksale und Ereignisse definiert wurde. Wie Landmarken, die einem die Orientierung in einer teilweise unbekannten Landschaft erleichtern. Stecknadeln auf einer Übersichtskarte, durch Ereignisse und Personen unsichtbar verbunden und zusammen gehalten.

Da hinten, da wo früher der Metzger war, der immer im Winter ein Wildschwein an der Tür hängen hatte, daneben wohnte dieser seltsame Klavierlehrer, zu dem die Mädchen aus besserem Haus marschierten. Jetzt ist der Metzger weg, in den Räumen haust ein kleines Architektenbüro und der Klavierlehrer ist weg. Landmarken verschoben sich immer schon. Manche verschwanden, wurden verlegt oder es kamen neue hinzu.

Heute werden diese Marken immer weniger, weil niemand mehr das Büdchen zum Update von Informationen nutzt. Klar, es gibt immer noch die ein oder andere, teilweise saftige Neuigkeit, aber mehr und mehr werden meine Landmarken weniger und es sind nur noch Informationen, die nur Alteingesessenen etwas sagen. ‚Das ist da wo früher der Müller wohnte, der mit dem Holzbein.‘

Die Landmarken verblassen, weil immer weniger den Herrn Müller kannten und andere mit dieser Information auch gar nichts mehr anfangen können. Die Landkarte wird immer leerer.

Wir laufen durch diese Stadt, haben unsere Wohnung und unser sogenanntes Umfeld, unsere ‚Hood‘, in dem wir uns weitgehend sicher bewegen. Wir sind vereinzelt, leben als Single, sehnen uns aber in der Regel nachdem, was den Menschen früher ausgemacht hat: Gemeinschaft.

Wir ziehen durch unser Viertel wie Schiffe durch den Nebel. Wir signalisieren mit unseren Signalen, einem Nebelhorn gleich, unsere Position. Wir hören auch andere Schiffe, die unterwegs im Nebel sind. Vielleicht auf dem gleichem Weg wie wir, auf den imaginären sicheren Zielhafen zu oder eine andere gleiche Position – aber sehen können wir niemanden.

Wir hören die anderen. Wir denken uns, dass wir nicht allein sind und das gibt uns ein wenig Sicherheit. Wir wissen ja, dass da draussen andere unterwegs sein müssen, die das gleiche suchen wie wir.

Und gleichzeitig haben wir Angst, dass wir uns zu nahe kommen. Denn ein Zusammentreffen könnte im schlimmstem Fall eine Havarie bedeuten, einer oder beide erleiden Beschädigungen oder schlagen Leck und gehen vielleicht unter.

Aber wir sehnen uns nach Nähe, und haben gleichzeitig Angst, uns anderen weiter zu nähern. So treiben wir dann lautlos durch die Nacht und den Nebel, hören die anderen rufen. Vielleicht antwortet ein Schiff, dass uns damit sagt, dass es uns gehört hat und uns indirekt wahrgenommen hat. Wir rufen – und bleiben doch allein.

Lediglich das Wissen, dass dort draussen andere sind, die auch suchen, tröstet uns etwas. Nicht viel, aber etwas. Und vielleicht lichtet sich auch der Nebel irgendwann.

Vielleicht müssen wir auch etwas mutiger werden, genauer hinhören und uns langsam an andere Schiffe herantasten. Vielleicht ist der Nebel ja auch nicht so dicht wie wir annehmen und wir könnten mit langsamer Fahrt uns anderen Schiffen vorsichtig näheren. Bei Gefahr könnten wir immer noch abdrehen und wieder im Nebel verschwinden.

Aber das bedarf Mut. Mut sich auf ein Wagnis einzulassen um gegebenenfalls versenkt zu werden.

Die Stadt ist wie ein Meer mit Riffen und Sandbänken, mit Häfen und Buchten. Wir navigieren nach Gehör, vielleicht nach Karten. Doch im Nebel sind wir alle gleich. Allein und auf der Suche nach Sicherheit.

Ich werde aber an dem Buch noch etwas zu kauen haben und alleine dafür hat der Autor schon gewonnen. Das schafft nicht jedes Buch.

Leseprobe 3

Sie schleppte sich zum Café. Jetzt wurde dieser Job echt wichtig. Auch wenn Freddi ein Arsch erster Güte war, diesen Job durfte sie jetzt nicht verlieren.

Heute war sie sogar überpünktlich, auf keinen Fall anecken. Freddi reagierte nicht einmal, als sie wartend vor der Tür des Cafés stand. Er grunzte ihr etwas zu und schloss auf. Sie schnappte sich direkt ihre Schürze und warf die Kaffeemaschine an. Stumm schob sie die Türen auf und stellte die Tische auf den Gehweg, danach wie jeden Tag die angelieferten Waren sortieren. Die, die hinter der Theke blieben und die, die für die Küche bestimmt waren. Als sie die Waren in die Küche räumte, war Freddi schon deutlich besser drauf.

„Na, Schnecke, sollen wir heute Abend was essen gehen?“

„Tut mir leid, Freddi, aber das geht nicht. Ein anderes Mal vielleicht.“ Bloß jetzt höflich sein. Sie drückte sich an ihm vorbei und wuchtete die Kartons in das Vorratsregal. Ihr kam aber eine Idee. „Sag mal, Freddi. Könntest du mir meinen Lohn jetzt schon auszahlen? Es sind ja nur ein paar Tage bis zum Ersten.“

„Mhm, könnte ich.“

„Also machst du das, bitte? Ja?“

„Biste mal wieder pleite?“, fragte Freddi lauernd.

„Ja, nein, schon. Ich muss halt nur noch ein paar Sachen bezahlen und das würde gerade einfach passen.“

„Gehst du denn mit mir essen, Schnecke?“

„Freddi, das hat doch nichts miteinander zu tun. Bitte, ich möchte meinen Lohn einfach nur ein paar Tage früher als sonst. Und du zahlst ohnehin Cash, also eigentlich kein Aufwand, oder?“

„Weißt du, Jo, du könntest ruhig was netter zu mir sein.“

„Ich bin nett. Und das hatten wir doch schon öfter. Ich will hier nur meinen Job machen. Es geht mir hier gerade nur um die Kohle.“ Sie hasste es, so betteln zu müssen. Viel lieber hätte sie ihm eine reingehauen, weil er immer auf dieser Machonummer herumritt und sie zu erpressen versuchte. Die Nacht und das Gespräch mit Hella verfolgten sie deutlich, und ihr war klar, dass sie erpressbar war. Und Freddi hatte das gerochen wie ein Köter, der am Laternenpfahl schnupperte und wusste, was in der Nachbarschaft los war. Freddi als Partner, das kam auf keinen Fall in Betracht. Nicht nur, weil er sie körperlich mehr als abstieß, sondern auch, und da war sie sich ganz sicher, würde er sie bei der ersten Gelegenheit wieder fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Also keine Option und schon gar keine Perspektive. Da könnte sie auch gleich im Puff arbeiten.

Sie hörten beide, wie die Cafétür aufging. Jo flüchtete nach vorn und hinter die Theke.

„Hallo und guten Morgen“, frage sie fröhlich, „was kann ich dir Gutes tun?“

„Kaffee erst mal.“

„Ist schon fast fertig“, sagte sie munterer, als sie sich fühlte, und machte die Kaffeemaschine klar. „Geht sofort los, die Maschine braucht noch einen klitzekleinen Moment. Du bist heute der Erste. Bekommst du noch nen Happen dazu, oder nur den Kaffee?“

„Nee, erst ma Kaffee – ich muss wach werden.“ Der Gast setzte sich an einen Tisch. Jo war froh, dass sie gerade nicht mit Freddi weiter verhandeln musste. Sie merkte, wie nervös sie war.

Jetzt kamen Gäste im steten Fluss in den Laden. Zwischendurch schaffte sie es noch, die restlichen Dinge hinter der Theke zu verstauen. Die Konzentration auf die Arbeit gab ihr wieder Sicherheit. Aber im Hinterkopf kreiste immer das Gespräch mit Hella und ihre Wohnsituation. Sie versuchte besonders aufmerksam zu sein, die Kunden besser als sonst zu bedienen, einfach um zu zeigen, dass sie ihr Geld wert war. Hier noch einen kleinen Snack angeboten, dort ein Tiramisu vertickt. Die Kasse sollte klingeln. So ging das die ersten Stunden, und über Mittag war die Bude auch voll. Jo hatte alle Hände voll zu tun.

Dann war irgendwann einmal ein Loch, keiner kam, keiner ging, keiner wollte etwas. Es war ausnahmsweise mal ruhig. Sie ging noch einmal in die Küche.

Freddi saß da an seinem Minitisch, sein ‚Büro‘, wie er es immer hochtrabend nannte. Sie nahm sich noch einmal zusammen, es musste klappen.

„Freddi, was ist mit dem Lohn, geht das klar?“

Er stand auf, lässig, kam auf sie zu. Er legte die Hand auf ihre Schulter. „Na, wenn es dir so wichtig ist, Jo, da finden wir doch bestimmt einen Weg.“

„Das wäre toll, Freddi, echt, das würde mir gerade eine Menge Mühe ersparen.“ Jo war erleichtert. Sie hatte eigentlich wie immer mit seinem Widerstand gerechnet. „Vielleicht könntest du mir auch gleich einen Vorschuss geben, das wäre noch besser, Freddi.“

Freddi hatte seine Hand noch immer auf ihrer Schulter. „Schnecke, alles kein Problem, wenn du ein bisschen nett zu mir bist, werden wir uns da sicherlich einig.“ Er drückte sich dicht an sie und quetschte ihr die Brust. „Sei einfach nett zu mir, ein wenig Liebe, und du kannst deinen Lohn gern etwas früher haben.“ Er küsste ihren Hals und drängte sich an sie, als wenn er sie direkt hier auf dem Tisch flachlegen wollte.

Jo erstarrte, dann brach es aus ihr heraus. Die Wut schoss in ihr hoch wie ein Vulkan. All die Erniedrigungen, all die Übergriffigkeiten der letzten Jahre, die Wut loderte heiß in ihr hoch.

Sie drückte Freddi mit ungeahnter Kraft von sich weg. Dann schoss ihre Faust vor und traf Freddi am Ohr. Die Wucht ließ ihn einen weiteren Schritt zurücktaumeln. Erschrocken schaute er sie an, kam aber nicht mehr dazu, sich weiter zu wundern.

Jo riss das Knie hoch und trat mit voller Kraft zu. Punktlandung. „Du Sau“, brüllte sie, „du gehst mir nicht noch mal an die Wäsche, du Dreckskerl!“

Freddi sackte stöhnend zusammen und hielt sich die Eier, die sie offensichtlich voll getroffen hatte. Innerlich gratulierte sie sich zu ihrer Treffsicherheit, ahnte aber, dass das Konsequenzen haben würde.

Freddi hielt sich mit einer Hand an seinem Tisch fest und versuchte, langsam wieder Luft zu bekommen. Mühsam schob er sich Stück für Stück hoch.

Zwischen Stöhnen und Ächzen schaffte er es sogar, einen Satz herauszuquetschen. „Du miese Hure, du bist gefeuert. Verpiss dich. Und die Kohle kannst du vergessen. Wenn du bei Zwei nicht aus meinem Laden bist, ruf ich die Polizei und sag denen, dass du hier die Einnahmen geklaut hast. Dreckstück.“ Er sank langsam und sehr vorsichtig auf seinen Bürostuhl.

Jo stand da wie erstarrt. Keine Kohle? Jetzt war sie am Arsch. Dann war jetzt auch alles egal. Sie wischte in einer wuchtigen Bewegung die Arbeitsfläche frei. Mit großem Getöse flogen im hohen Bogen Salatblätter, Tomatenscheiben, eine Kanne Milch, Mehl und anderes durch die Luft und verteilen sich gleichmäßig auf Freddi. Das Regalbrett mit den Gewürzen darüber musste auch daran glauben. Die Behälter mit Curry, Paprika, Salz und Pfeffer flogen auch durch die Luft und verteilen sich ordentlich auf der gesamten Einrichtung und Freddi. Der Laptop war mit einer großzügigen Geste auch von Freddis Tisch gewischt und landete mit einer Ecke auf seinem Schritt. Ein scharfes Jaulen war zu hören, das aber durch den Rest der Einrichtung, die Jo jetzt systematisch auf Freddi verteilte, gedämpft wurde.

Die Gäste im Café hatten den Krach und das Geschrei deutlich mitbekommen und schauten mit offenem Mund, als Jo wie eine Furie aus der Küche geschossen kommt, hochrot und fuchsteufelswild. „Es tut mir leid, aber dieses Café schließt jetzt. Der Chef ist leider unpässlich. Die Getränke gehen aufs Haus. Bitte gehen Sie. Jetzt!“ Die Gäste standen schnell auf, als Jo hinter die Ladentheke ging und mit einer ausholenden Bewegung das Regal hinter sich ebenfalls leer fegte. Sie öffnete die Kasse und nahm sich die Tageseinnahmen, ganze 120 Euro und das Wechselgeld. Kein Monatslohn, aber zumindest etwas. Sie stopfte alles in ihre Jeans. Es schepperte gewaltig, als sie Gläser, Tassen und andere Utensilien auf den Boden knallte. Die Gäste nahmen Reißaus.

Auch das zweite Brett mit den Spirituosen musste dran glauben. Alles flog im hohen Bogen durch den Laden. Die Flaschen, die sie nicht direkt erwischte, warf sie einfach mitten in das Lokal. Der Inhalt der Flaschen bildete bald eine klebrige Fläche auf dem Boden. Eine Flasche sparte sie sich auf. Wenn verschissen, dann richtig, dachte sie. Sie nahm den Zucker und die Kekse und warf alles in einer großzügigen Bewegung über die Tische, wo sich alles mit den Scherben und Flüssigkeiten vermischte.

Das Café sah jetzt aus wie nach einem Bombenangriff. Sichtlich zufrieden stieg Jo über kaputte Tassen, Teller, Besteck, gemahlenen Kaffee, Glasscherben, Brötchen, Kaffee und Milchreste. Sie ging. Hier würde sie nie wieder einen Fuß über die Schwelle setzen. Sie fühlte sich gut. 120 Euro und eine Flasche Bacardi. Immerhin.

 

Der Shop befindet sich noch im Probebetrieb. Einige Funktionen und rechtliche Hinweise sind noch in Arbeit. Alle Bestellungen werden aber ausgeführt.
Online

Auch erhältlich bei Amazon, bücher.de, Hugendendubel, ebook.de, Thalia, Osiander, im Buchhandel vor Ort

Autor Mac Conin  
Titel Nirgendwann
Plan B war auch Mist …
Erscheinungs-
termin
25. April 2025
Alters-
empfehlung
16+
Ebook 978-3-911831-17-8 5.99 €
Softcover 978-3-911831-18-5 14.99 €
Format B x H x D 127 x 203 x 32 mm 400 Seiten